Geschichte Wasserversorgung

Bis zum Jahre 1905 hatte Oberglatt keine eigentliche Wasserversorgung. Im Dorf standen etwa 17 Ziehbrunnen, die den Dorfbewohnern das nötigste Wasser lieferten. Sie waren durchschnittlich 30 Schuh tief, also ca. neun Meter. Von einigen Brunnen sind die Standorte genau bekannt. Teilweise sind sie heute noch sichtbar. Im Jahre 1910 wurde der letzte Ziehbrunnen abgebrochen oder zugeschüttet. Einige könnten aufgrund der Angaben vermutlich wieder ausgegraben werden.
Bei grosser Trockenheit versiegten diese Brunnen. Es wurde versucht, mit Zuleitungen ihr Einzugsgebiet zu vergrössern. Dennoch boten sie keinen hinreichend grossen Wasservorrat für die immer grösser werdenden Ansprüche der Bevölkerung und der Feuerbekämpfung. Das war die Ausgangssituation zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Will man etwas über die Anfänge der Gemeindewasserversorgung erfahren, so muss man die handgeschriebenen Protokolle der Zivilgemeinde studieren. Die nachstehende Festschrift stützt sich auf die Protokolle ab 1879. Die Zivilgemeinde existierte neben der Politischen Gemeinde. Während sich diese durch das Erheben von Steuern finanzierte und sonst über keine weiteren Einnahmen verfügte, war die Zivilgemeinde selbsttragend und bot verschiedenste Dienstleistungen gegen Bezahlung an. Sie besass Vermögen und verfügte über Land- und Waldreserven. Die Zivilgemeinde stellte z.B. den Mauser an ("zum Fangen der so listigen Maulwürfe"), verlieh tageweise Zuchtochsen, den Ziegenbock, die Fleischwaage, pflegte ihren Wald und verkaufte Brennholz und Heu. Ihr gehörten auch einige Ziehbrunnen und sie betrieb ein Waschhaus.
Die Zivilgemeinde ergriff die Initiative für den Aufbau einer Gemeindewasserversorgung. Am 21. Februar 1904 stellten "etliche" Bürger der Zivilgemeinde den Antrag, mit den technischen Vorarbeiten zum Suchen von Wasser zu beginnen. Dieser Antrag wurde zum Beschluss erhoben und die Aufgabe einer "Commission" aus sieben Mitgliedern übertragen.
Die "Commission" fand Wasser oberhalb Rümlang. Mitten im Walde, am sogenannten Haselbach, auf günstiger Höhe für die Überleitung nach Oberglatt. Die zwei Quellen waren im Privatbesitz der Herren Dübendorfer und Furrer. Die Besitzer waren gewillt, diese Quellen gegen Entgelt abzutreten. Verhandlungsbasis: 20 Franken pro Minutenliter. Bis heute liefern die zwei Quellen zwischen 70 bis 90 Liter sauberes Wasser pro Minute.
Die Quellfassung Haselbach liegt im Bereich der sogenannten Oberen Süsswassermolasse und ist an einen Sandsteinhorizont gebunden, der als Poren-Grundwasserleiter wirkt. Als Grundwasserstauer wirken Mergel, welche die Sandsteinbänke unterlagern und damit für das Entstehen dieser Schichtquellen verantwortlich sind.
Ende 1904 schloss die Kommission ihre Vorarbeiten ab und stellte den Kreditantrag für die Erstellung der Quellfassung. Parallel zur Wassersuche wurde ein Gutachten für das Konzept der zukünftigen Wasserversorgung eingeholt.
Der 15. März 1905 gilt als Gründungstag der Wasserversorgung Oberglatt. An dieser Gemeindeversammlung wurde einstimmig Folgendes beschlossen: Es sei der Vorsteherschaft ein unbeschränkter Kredit zur Ausführung der Gemeindewasserversorgung zu erteilen.
Der Besuch der Gemeindeversammlung war obligatorisch. Wer fehlte wurde gebüsst. Den Protokollen ist die namentliche Liste der Gebüssten und der zu spät Gekommenen angefügt. Nach der Gründung folgten weitere Gemeindeversammlungen im zwei-Monats-Rhythmus um das Bauvorhaben zu begleiten. Es wurde das erste Wasserreglement einfachster Art ausgearbeitet und genehmigt. Die wesentlichen Elemente des heutigen Reglements waren von Anfang an enthalten. Es ging um die Regelung der Anschlussgebühren und die Festlegung der Zahlungsmodalitäten für die Hauszuleitungen. Wasseruhren gab es zu dieser Zeit noch nicht. Der Wasserverbrauch wurde pauschal in Rechnung gestellt. Noch im gleichen Jahr konnte die neue Wasserversorgung ihren Betrieb aufnehmen. Im Frühling 1906 wurde die Bauabrechnung abgenommen. Das ganze Bauwerk kostete ca. Fr. 119'000. Die Anlage war sehr modern, besass sie doch die Möglichkeit ,die Löschwasserreserve elektrisch fernbetätigt freizugeben. Aus dem Schriftverkehr ist ersichtlich, dass im Staatsbeitragsgesuch "schlaumeierisch" ein zu hoher Erstellungswert aufgeführt wurde. Der Regierungsrat hatte die Belege aber gründlich kontrolliert und alles nicht zum Projekt Gehörige als nicht beitragsberechtigt gestrichen.
Offensichtlich vermochten die Quellen den anfänglichen Wasserverbrauch mit Leichtigkeit zu decken. So wurde sogar ein mobiler Wassermotor, der die Energie des unter Druck stehenden Trinkwassers in mechanische Antriebsleistung umsetzte, angeschafft und stundenweise vermietet. Auch der Dorfschmied besass einen privaten Wassermotor zum Antrieb seines Blasbalges.
 Nun folgt eine Episode, die einen Einblick in das damalige Verhältnis des Dorfkerns Oberglatt zum Dorfteil Hofstetten gewährt. Schon in der Diener-Chronik ist erwähnt, dass da nicht alles zum Besten stand. Auch in Hofstetten existierte eine Zivilgemeinde. Über sie ist nichts Weiteres bekannt, als dass sie ebenfalls über einen Ziehbrunnen verfügte, mit den gleichen Unzulänglichkeiten wie im Dorfzentrum. Die Zivilgemeinde Hofstetten stellte 1906, wegen dem Zugang zu Trink- und Löschwasser, das Gesuch, sich mit der Zivilgemeinde Oberglatt zu vereinen. Der Antrag zur Vereinigung der beiden Zivilgemeinden wurde haushoch abgewiesen. Danach hat sich aber der Regierungsrat und die Brandversicherung eingeschaltet und durchgesetzt, dass sich Hofstetten zumindest an die Oberglatter Wasserversorgung anschliessen darf. Oberglatt hat darauf einen recht diskriminierenden Anschlussvertrag ausgearbeitet. So verlangte der letzte Vertragspunkt, dass Hofstetten das Gesuch um Vereinigung der beiden Zivilgemeinden zurückzieht und sich verpflichtet, die nächsten 10 Jahre nicht wieder eine Vereinigung zu verlangen.
Der neuen Wasserversorgung war unternehmerischer Erfolg beschieden. Die Betriebsrechnungen der folgenden Jahre zeigten, dass - wie heute vorgeschrieben - die Bauschuld jährlich um etwa 10% reduziert werden konnte.
Ein zweiter Vorstoss zum Zusammenschluss der beiden Zivilgemeinden wurde 1921 in geheimer Abstimmung nur noch knapp abgelehnt. Aufgrund der eigenen Finanzlage der Politischen Gemeinde stellte 1924 der Gemeinderat den Antrag, die beiden Zivilgemeinden sollen sich mit der Politischen Gemeinde vereinen. Die Vorsteherschaft der Zivilgemeinde stellte sich gegen diesen Antrag. Sie anerbot aber, sämtliche Rechnungsüberschüsse der Politischen Gemeinde zukommen zu lassen. Der Vorschlag wurde aber deutlich abgelehnt. Auf den 1. Januar 1925 gingen sämtliche Aktiven und Passiven der beiden Zivilgemeinden an die Politische Gemeinde über und diese trat zu diesem Zeitpunkt in deren Rechte und Pflichten ein. Ende 1924 endet das Protokollbuch der Zivilgemeinde kommentarlos. Ab Januar 1925 wurde die Wasserrechnung von der Politischen Gemeinde geführt.
 In den folgenden Jahren lieferte die Wasserversorgung offenbar keine Traktanden für den Gemeinderat. Erst 1928 wird erkennbar, dass nach einer grossen Trockenheit neue Wasservorkommen, diesmal Grundwasser, gesucht wurde. Sondierbohrungen am Wibach (Glattalstrasse Richtung Rümlang) hatten Erfolg. Das im gleichen Jahr fertig gestellte Grundwasserwerk Looren zapfte einen kleinen Grundwassersee an, welcher sich durch in die Sohle des Glattales abfliessendes Grundwasser bildet. Am Übertritt in die Talsohle wird es durch die undurchlässigen Seebodenlehme, welche die Talsohle bilden, zurückgestaut. Durch diese rückstauende Wirkung bildet sich ein kleines nutzbares Grundwasservorkommen. Neben dem gebauten Pumpwerk trat früher eine Quelle als natürlicher Überlauf des Grundwasservorkommens aus.
Die grösste je geförderte Tagesmenge betrug 432 m3. Heute lassen sich diese Werte nicht mehr annähernd erreichen. Die rege Bautätigkeit in den Industriequartieren Rümlangs hatte vermutlich eine Absenkung des Grundwasserspiegels bewirkt.
 Der erste Wasserzähler wurde 1930 für das Gewächshaus der SGG, einen Grossverbraucher, installiert. Oberglatt zählte zu dieser Zeit 964 Einwohner.
1938 wurde im Gebiet Looren, etwa 150 m vom ersten Pumpwerk entfernt, eine zweite Fassungsstelle eingerichtet. Ihr Zugang ist heute noch erkennbar. Sie ist aber seit dem Jahr 1975 ausser Betrieb. Nach den abnormal trockenen Sommern 1942 und 1943, bei denen die Pumpen über lange Zeit 22 Stunden pro Tag in Betrieb standen, sah sich die Gemeinde genötigt ihre Wasserversorgung abermals zu erweitern. Nach Vornahme von Sondierbohrungen im Gries (Nähe des Scheibenstandes in Hofstetten) wurde dieser Standort für das neue Pumpwerk gewählt.
 
Folgende Postulate wurden dabei berücksichtigt:

  • Möglichst rasche zusätzliche Wasserbeschaffung
  • Eignung für einen späteren Totalausbau (Einbaumöglichkeit einer zweiten Pumpe)
  • Erstellen einer abgesetzten Bedienstation
  • Pumpenaktivierung in Abhängigkeit des Wasserstandes im Reservoir
  • der Wasserbedarf für die nächsten 20 Jahre sei zu decken
  • Bemessungsgrundlage war das hydrologische Jahr 1944 mit ca. 1'100 Einwohnern und 500 Stück Grossvieh. Der Regierungsrat erteilte der Gemeinde das Recht für die Entnahme von 1'200 l/Min. Grundwasser im neuen Pumpwerk Hofstetten. 1945 war die Anlage betriebsbereit. Die Fördermenge wurde 1964 auf 2'000 l/Min. erhöht. 

Nachdem nun genügend Wasser zur Verfügung stand, stellte sich ab 1950 der nächste Engpass ein. Das Reservoir von 1905 vermochte nur knapp 2/3 des maximalen Tagesverbrauchs von 800 m3 zu speichern. Aufgrund einer ausführlichen Studie über die bereits erstellte Wasserversorgung, wurde ein neues, rundes Reservoir, mit einem Fassungsvermögen von 500 m3 gebaut.
Der Regierungsrat machte für seine Staatsbeitragszusicherung Auflagen und verlangte den Anschluss an das höher gelegene Reservoir Gross-Ibig in Oberhasli, zwecks Verbesserung der Löschverhältnisse. Ebenso wurde der Umbau der Fernsteuerung gefordert, damit auch die Löschreserve im Gross-Ibig freigegeben werden kann. Das hätte bedeutet, dass die Gemeinde sich der Gruppenwasserversorgung Furttal anschliessen muss. Der Anschluss wurde mit der Fertigstellung 1955 noch nicht vollzogen, da die Zivilgemeinde Oberhasli zu diesem Zeitpunkt die dafür notwendige Transitleitung noch nicht erstellt hatte. Alle Vorkehrungen dafür wurden jedoch getroffen. Der Gemeinderat erwog sogar einen Verzicht auf die Subvention vom Kanton, um nicht in eine Abhängigkeit von der Zivilgemeinde Oberhasli zu geraten. 1955 ging das neue Reservoir ans Netz.

 

Bau des zweiten Reservoirs im Jahr 1954
 
1967 erfolgte die unentgeltliche Übernahme des Laufbrunnens Grafschaft (bei der Liegenschaft G. Feurer) und der zugehörigen Quellenfassung von der Brunnengenossenschaft im Hof (11 Genossenschafter). Die Quellfassung musste im Zusammenhang mit der Überbauung "Müli" aufgegeben werden. Der Brunnen wurde am Netz der Wasserversorgung angeschlossen.  In Oberglatt setzte eine rege Bautätigkeit ein. Ab 1962 wurde auch der generelle Einbau von Wasserzählern in Neubauten Vorschrift und ein Kredit für deren Beschaffung und Montage gesprochen.
1969 wurde ein generelles Projekt für ein drittes Reservoir vorgelegt. Erneut wurden Probebohrungen für zusätzliche Wasservorkommen vorgenommen, ohne Erfolg. 1972 beantragte die Werkkommission einen Bruttokredit über Fr. 735'500 für den Bau des dritten Reservoirs. Es wurde 1974 fertiggestellt, zusammen mit einer neuen Betriebswarte am obersten Ende der Allmendstrasse.
 Wegen der ungenügenden Druckverhältnisse und angesichts des stetig steigenden Wasserbedarfs, erfolgte 1974 die Neuaufnahme der Gespräche mit der Gruppenwasserversorgung Furttal (GWF). Jedoch erst 1983 unterzeichnete die Gemeinde die Anschlussverträge mit der Gruppenwasserversorgung mit einer maximalen Wasserbezugsmenge von 500 m3 pro Tag. Diese Option wurde im Jahr 1989 auf 750 m3 erhöht. Ein Konzept zur Einführung einer oberen Druckzone (grösserer Druck), zusammen mit der Renovation der gesamten Reservoiranlagen, wurde 1980 bewilligt und fertiggestellt.
Bis ins Jahr 1997 hatte die Wasserversorgung Oberglatt mit der GWF nur einen Anschlussvertrag und war nicht stimmberechtigt. Aufgrund eines Beitrittsgesuches wurde im Jahr 1998 die Gemeinde Oberglatt Vollmitglied bei der Gruppenwasserversorgung Furttal und wegen der Herkunft des Optionswassers auch bei der Gruppenwasserversorgung Vororte und Glattal (GVG).
 

Generelles Wasserversorgungsprojekt
 
Zunehmend erhöhten sich die Anforderungen an die Steuerung der Wasserversorgung. Das automatische Auffüllen des Reservoirs war längst ergänzt mit Betriebs- und Störungsmeldungen und Messung der bezogenen Wassermenge. Nur, die Anzeige- und Registrierelemente waren an einem ungeeigneten Standort. Dezentral, zum Teil im Reservoir selbst oder in der Betriebswarte an der Allmendstrasse. Zudem waren diverse Signalkabel zur Störungsrückmeldung durch Blitzschlag unbrauchbar geworden. Die geringste Störungsmeldung löste einen unqualifizierten Alarm aus und nötigte den mit dem Pikettdienst Beauftragen zum Ausrücken, egal zu welcher Zeit oder an welchem Tag. Die mechanischen Datenschreiber selbst warteten mit einer Fülle von Störungen auf. Zudem erforderten sie zeitraubende Abschreibübungen, damit die Wasserversorgung die vorgeschriebenen Rapporte an das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) abliefern konnte. Für wichtige Anlageteile gab es keine Ersatzteile mehr, weil sie überaltert waren. Dies setzte die Diskussion über ein zeitgemässes Fernwirksystem in Gang. Im April 2000 genehmigte der Gemeinderat das Projekt mit Gesamtkosten von 968'000 Franken. Dessen Rückgrat ist ein leistungsfähiges Datenübermittlungsnetz in Glasfasertechnik. Im Werkgebäude ist die Betriebswarte mit dem Prozessleitsystem untergebracht. Angesichts der Kurzlebigkeit heutiger elektronischer Erzeugnisse wurden, wo immer möglich, Standard-Produkte mit Zweit- und Drittlieferanten ausgewählt. Die herausragenden Merkmale der neuen Steuerung sind:
 Das Grund-Konzept der Wasserversorgung, 1905 entstanden und bis 2000 weiterentwickelt, musste nicht verändert werden.

  • Störungs- und Alarmmeldungen haben hohe Aussagekraft, Pikett kann entscheiden ob ein Ausrücken notwendig ist.
  • Die Wasserversorgung kann, von den dazu Berechtigten, via Internet abgefragt oder ferngesteuert werden.
  • Pumpwerke und Reservoire haben lokale Intelligenz, bei Verbindungsunterbruch funktionieren sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbständig weiter.
  • Die Anlage-Software kann bei Bedarf von Fern gewartet werden.
  • Die Steuerung hat Reserven. Problemlos wurden zwischenzeitlich kritische Anlageteile im Abwasserbereich aufgeschaltet.
    Mit der Umrüstung auf die neue Steuerung wurden auch die Regel- und Messorgane der Pumpwerke und Reservoire umfassend erneuert. Im Dezember 2001 erfolgte die Abnahme mit Unterschreitung des gesprochenen Kredits. Zuvor musste die Anlage etwa ein halbes Jahr lang ihre Zuverlässigkeit unter Beweis stellen, kleine Unzulänglichkeiten wurden nachgebessert.